Auch ich möchte mich vorstellen, gestatten: Hraban

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Zuständig bin ich für die Lagerküche und die Zubereitung möglichst mittelalterlicher Speisen… ich verwende daher nur Zutaten die im gewählten Darstellungszeitraum auch verfügbar waren.

Paprika, Paradeiser und Erdäpfel wird man vergeblich suchen – dafür dürfen sich die Trossmitglieder mit Pastinaken, Kraut & Co. verwöhnen lassen.

Kurzum, ich versuche die hungrige Meute bei Laune zu halten, was mir meist auch gelingt.

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Gäste sind in unserem Lager gern gesehen und werden nach Möglichkeit gleich mitversorgt.

Gerne erzähle ich Besuchern von den mittelalterlichen Essgewohnheiten der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.

Einzig der morgendliche Kaffee stellt einen Stilbruch dar…. allerdings wird dieser auch nicht in der Kaffeemaschine sondern in einer Westernkanne auf dem Feuer zubereitet. Besucher werden diese aber nicht zu sehen bekommen – mein großes Anliegen : ausschließlich ambientetaugliche Gerätschaften zu zeigen.

Zu jedem Lager bringe ich meine Sammlung an Töpfen, geschmiedete Pfannen, Teller, Becher, Löffel usw. mit – welche aus Eisen, Holz oder Ton gefertigt wurden.

 

Wenn ich mich nicht der Kocherei widme ,  nähe ich unterschiedlichste Ausrüstungsgegenstände – da kann es dann auch vorkommen das ich nach einen 2x2cm großen Bild eine bestimmte Art einer Haube z.B. aus dem 14 Jhdt. herstelle.

Meine nächsten Projekte betreffen einerseits die mittelalterliche Herstellung von Büchern,  derzeit bin ich gerade dabei die notwendigen Werkzeuge zu sammeln um dies auch in unserem Lager zeigen zu können, und andererseits möchte ich das Weben von Bändern  erlernen. Auch der Herstellung von Pflanzenfarben gehört zu meinen Interessen. Außerdem sticke ich nach Vorlagen Fahnen , Wimpel und Banner.

Ich habe also noch einiges vor!

Tipps und Anregungen nehme ich immer gerne entgegen, Also kommt in unser Lager, ich freue mich über jeden Besucher.

Eure Hraban

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Historisches:

Aus dem frühen Mittelalter ist fast nichts überliefert was die Menschen gegessen haben – Kochbücher im heutigen Sinn gab es nicht. Alle die lesen und schreiben konnten – also meist die Mönche – hätten für Kochrezepte  kein wertvolles Pergament verwendet. Allerdings notierten sie ihr Wissen um die natürlichen Heilmittel und somit auch gelegentlich Rezepte.

1320 erschien in Frankreich eine kochbuchartige Schrift die 133 Rezepte beinhaltete. Von 13450 stammt das “ Buoch von guoter Spise “ , erst mit der Erfindung des Buchdrucks 1445 wurden auch Kochbücher gedruckt.

Um etwas über die Ernährung der Menschen, insbesonders der einfachen Leute zu erfahren muss man auf die “ Latrinenforschung“ zurückgreifen – trockengelegte Burggräben, verlassene Dörfer und ehemalige Aborte verraten die  Essgewohnheiten und verwendeteten Lebensmittel.

Essgewohnheiten und das Angebot an Nahrungsmittel hing stark von der Umwelt, dem Klima, war die Region früher von den Römern besetzt und haben Reste ihrer Kultur überlebt oder ist die Region erst kürzlich besiedelt worden, ab.

Das Mittelalter war nicht nur eine Zeit der Armut, Grausamkeit und Mühsal – es war auch eine Zeit der Erfindungen und Entdeckungen die das Leben der Menschen erleichterte. Eine willkommene Abwechslung  vom Alltagsleben bildeten Feste und Bräuche wo man zu Speis und Trank, Tanz und Unterhaltung zusammenkam.

Vieles was in Filmen oder auf Mittelaltermärkten gezeigt wird ist historisch nicht korrekt. Erdäpfel, Kukuruz, Paradeiser sowie einige Bohnenarten und Kürbisse, wie auch Truthähne stammen aus Amerika – das wurde erst zum Ende des Mittelalters entdeckt. Schweine sahen nicht nur urig aus – sie schmeckten auch so. Wer möchte heute noch einen Pfau, Storch oder Schwan bzw. Biber oder Igel  essen?

Auch die Tischsitten waren nicht so locker wie uns das die Filmindustrie vermitteln will. Bei Festen am Hof warf man die Knochen nicht deshalb hinter sich um sie loszuwerden sondern um die niedrigen Stände , die nicht bei Tisch sitzen durften, zu bedienen. Diese „Hintermänner“ wurde aber trotzdem satt da es verpönt war die Knochen weder mit dem Messer abzukratzen noch mit den Zähnen abzunagen. Das fettgetränkte Brot wurde an Bettler verteilt.

Alltagsgerichte waren fast gar nicht gewürzt, die Festtagsspeisen dafür umso mehr. Mit dem übermäßigen Gebrauch an exotischen Gewürzen zeigten die Gastgeber ihren Reichtum.

Ohne Vorratshaltung kamen die Menschen nicht aus: sie legten Gemüse sauer ein, trockneten oder kochten Obst ein, das Fleisch wurde gepökelt oder geräuchet  damit es bis zum Frühling reichte. Verdarben die Lebensmittel bedeutete das sie hungern mussten.

Während des gesamten Mittelalters bestand die erste Mahlzeit des Tages aus Getreide, je nach Möglichkeit wurde der Brei oder die Getreidesuppe mit Butter, Milch, Honig und Früchten veredelt.