MarkusWerte Besucher, ich darf mich vorstellen: Tarmes, mit seinen Handwerken.

Auf Märkten und Festen schlage ich mein Zelt auf und zeige unterschiedliche Handwerke, ob es sich ums Messerschleifen, Käsen, Brettchenweben, schnitzen oder Lederarbeiten handelt. Hier kommen sehr unterschiedliche Arbeiten vor, von der Tasche bis zur Messerscheide. Manchmal nähe ich auch Schuhe

Wobei auch alles zum Anfassen ist, und wir auch gerne mal einen Workshop veranstalten um diese Tätigkeiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.  

Meine Kleidung ist handgenäht aus Wolle, Hanf und Leinen, ein wollener Rechteckmantel schützt mich vor den Unbillen des Wetters. Da ich nur ein einfacher Handwerker bin kann ich mir großartige Verzierungen in Gold nicht leisten – einiges an einfacher Handarbeit aber doch. Zeitlich habe ich dieser Darstellung etwa auf das  9. bis 10. Jahrhundert ausgerichtet. 

130608004130609006130815017Ein kleiner Tisch als Arbeitsbereich, ein Dengelstockerl zum sitzen, mehrere Holzkisten und viele Felle stellen meine Einrichtung dar. 

Als Bogenschütze mache ich auch eine gute Figur, mit den damit verbundenen Handwerken wie Bogen- und Pfeilbau habe ich mich auch beschäftigt. Für Bögen haben wir ab er unseren Petr als Spezialisten.

Mein Zelt misst ca. 4×4 Meter und bietet mir Platz für meine Arbeiten und meinen mobilen Haushalt.

Besucht uns auf den Märkten und Veranstaltungen, die Termine findet Ihr hier.

Tarmes, A.D. 2017

Historisches:

Die Handwerke die ich zeige lassen sich zeitlich nicht genau eingrenzen, die gab es alle schon lange vor dem Mittelalter und auch noch lange danach. 

Schusterarbeiten: 

Schuhwerk hat eine lange Geschichte die bereits 4000 v. Chr. beginnt. Selbst diese ersten Schuhe aus einem Stück Leder waren bereits oben und hinten mit Lederbändern zusammengenäht. Von Ötzi in der Jungsteinzeit kennen wir schon die erste Unterscheidung in Ober- und Sohlenleder sowie ein wärmendes Futter aus Heu. In der Eisenzeit gab es bereits erste Leisten aus Ton über denen das Leder in Form gebracht wurde.

Bei den Römern gab es bereits Stiefel, Sandalen, Verzierungen, genagelte mehrschichtige Sohlen und auch den Schuster als eigentlichen Beruf. Trotzdem wurden die meisten Schuhe – auch in den darauffolgenden Jahrhunderten – noch immer im häuslichen Umfeld erzeugt.

Im frühen Mittelalter kamen dann die ersten wendegenähten Schuhe auf. Vorteil: durch das Wenden wandert die Naht ins Innere des Schuhs. Nachteil: die Naht klafft dadurch auf, und die Dicke der verwendbaren Sohle ist begrenzt. Trotzdem war Schuhwerk in dieser Zeit bereits eine Massenware, wie wir aus der Menge der Funde wissen. Und aus Aufzeichnungen die z.B. einem Knecht als Teil seines Lohns vier Paar Schuhe pro Jahr zugestehen. Damit waren aber Schuhe – auch wenn sie in der Familie sicher weitergegeben wurden – bereits Verschleissartikel die – wenn kaputt – weggeworfen wurden.

Die Machart hielt sich trotzdem, vor allem im klerikalen Bereich, bis ins 18. Jahrhundert.

Irgendwann hat jemand in die Naht zusätzlich einen Lederstreifen eingenäht, als zusätzlichen Schutz der Naht. Und kam dann auf die Idee an diesen Streifen die nächste Schicht Leder anzunähen. Damit waren dann unsere heutigen rahmengenähten Schuhe erfunden (um fünfzehnhundert n.Chr.).

Seitdem hat sich die Machart nicht mehr sehr verändert. Was seitdem neu hinzukam waren wasserfeste Klebstoffe, dadurch konnten Sohlen einfach aufgeklebt werden, Absätze, Dämpfungen und Gummisohlen –  und Nähmaschinen,  die auch das Nähen von hartem Sohlenleder vereinfachten.

Brettchenweben: 

Bereits aus der Zeit des alten Ägyptens gibt es einige Borten die möglicherweise brettchengewebt sind. In unserem Raum gibt es Funde aus der Keltenzeit in Hallstatt. Bei den Merowingern kennen wir die Borten der Bathilde de Chelles, und auch für einen Wikinger sind diese Borten durchaus passend. Nur die Techniken und die Muster variieren halt stark. 

Käserei:

Wann die Menschen angefangen haben Käse herzustellen verliert sich im Dunkel der Zeit. Für mich war hier die Herausforderung Käse nicht mit fertigem Rinderlab herzustellen, sondern mit dem bei uns überall verfügbaren Labkraut-Varianten wie dem Klettenlabkraut. Und die Versuche waren durchaus mit Erfolg gekrönt.

Tinten: 

Eine einfach Rußtinte ist schnell hergestellt, vor allem wenn man einen Ofen hat. Diese Tinten gab es auch entsprechend lange in unserer Geschichte. Experimente wie eine Gallapfeltinte oder eine grüne Tinte mit Kupferazetat (hier war die Farbe überraschend nahe an einem Ton den man auch in mittelalterlichen Manuskripten finden) sind da viel aufwändiger und brauchen auch entsprechende chemische Vorkenntnisse. Hier fasziniert mich immer wieder wie Menschen überhaupt auf die Idee gekommen sind….

Messerschleifen:

In einem Tross muss es natürlich auch jemanden geben der die Waffen scharf hält. Hier ist die historische Herausforderung weniger die Tätigkeit an sich (obwohl Messerschleifen auch gelernt werden muss) als die verwendeten Materialien. Hier arbeite ich auch mit unserem Steinschneider zusammen, mit dem man vortrefflich über Schmirgel aus Naxos, unterschiedliche Sandsteine und die Verwendbarkeit einfacher Feldstein als Schleifmittel philosophieren kann. 

 

 

Homepage: Tarmes.at Kontakt: tarmes@dertross.net