Tretet nur näher! Betrachten kostet nichts! Darf ich mich Euch kundtund, Mikjall so werd‘ ich gerufen, Georgs Sohn bin ich und Emporikos, das tu‘ ich!

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Im Jahre des Herren 894 von Byzanz her komme ich um meinen Platz in den Hallen meiner Vorfahren einzunehmen. Auf meinen Reisen hab ich gar merkwürdig Mensch und Tier gesehen, hab mich ich gar trefflich in Handwerken verdungen. Hab so manchem hohen Herren ein Gewand nach dem Bilde des Kaisers Leo der Rhoemer genäht! Auch so mancher Dame von den hohen Künsten am Hofe von Byzanz und den Taten von wackeren Recken erzählt und ihnen geschrieben diese Geschichten! Den oh was für Unglück für mich, auf Grund meiner verehrten Eltern, mein Vater, Georg Rotbart war Waräger und mein Mutter Dorothea Byzantinerin, daher durfte ich dem Geburtsrecht meines Vaters nicht folgen und für den Kaiser Dienst bei den Waräger leisten. Statt dessen ließ man mich lehren Schreiben und Lesen bei den hochgeistlichen Herren, im Hause der Patriarchen von Konstantinopel, Ignatios und dann Photios und nur wenig lernte ich die Kunst des Kampfes, nur das Jagen erlernte ich gemeinsam mit den anderen Söhnen der Waräger!

Im Hause meiner Mutter lernte ich viel nützlich Handwerk, den von früher Zeit an war mir vorbestimmt als Schreiber, Händler und Handwerker in den Hallen und an den Feuern meiner Vorfahren Ehre und Ruhm mit dem Geschichten und Moden aus dem fernen Byzanz zu erringen. Einem Skalden gleich bringe ich die Geschichten von fernen Orten, fernen Menschen und Völkern und deren Handwerk nach Norden. Euch sei kundgetan, größte Kunstfertigkeit vollbringe ich acu aciaque! Nun stehe ich hier an der Grenze zur Magnas Moravia und zeige euch mein Wissen und meine Kunst…

 

ACU ACIAQUE (Mit Nadel und Faden)

Gewandet nach nordischer Art zeige ich Beispiele der Stoffe und Nähtechniken als auch Beispiele der Unterschiede der Moden in den Zeiten. Den Besuchern werden dazu Bespiele von Stoffen und Nähten als auch von Werkzeugen präsentiert zum Anfassen. Als optische Präsentation fertige ich mit Nadel und Faden, Gewandung und Kleinwaren aus Stoffen und Leder an, und zeige wofür die ganzen Dinge einem Menschen des Mittelalters nützlich waren.

[Hier kommt noch ein Bild vom Lager]

EMPORIKOS

Emporikos, der reisender Händler, Händler, (Taxidiotos = der Reisende, hat mir nicht gefallen) fährt durch die Lande und bietet Waren und Wissen feil.

Ausserdem erkläre ich den Menschen wie Reisen im Mittelalter von statten ging. Ich erzähle welche Menschen wie im Mittelalter reisten und auch an Hand meiner Kollegen vom Tross zeige ich dies auch den Besuchern.

 

 

REISEN IM MITTELALTER (Historisches Excerpt)

Seit der frühesten Zeit sind Menschen unterwegs gewesen. Die Jäger und Sammler der Steinzeit waren oft große Strecken unterwegs um neue Jagd- und Sammelgründe zu finden. Der Bogenschütze von Stonehenge als auch der Mann vom Samnaumtal (Ötzi) sind schöne Beispiele dafür dass auch mit dem Beginn der dauerhaften Besiedelung von Land noch immer gereist wurde. Darunter fallen auch die frühen Wallfahrten zu den großen Tempelanlagen in Ägypten, zu den Spielen und Orakeln bei den Griechen und Römern.

Soweit es die in der Römerzeit freien Menschen betraf war auch das Reisen relativ weit verbreitet. Noch bei den Griechen war es den Sklaven möglich auch zu reisen. Man spricht hier von ca. 60 Tagen im Jahr die den Sklaven dazu zur Verfügung standen. Im Römischen Reich war das den Sklaven in diesem Umfang nicht mehr möglich. Um trotzdem zu große Fluktuationen in den Städtischen Zentren zu verhindern wurde schon sehr bald durch öffentliche Spiele und Veranstaltungen seitens der Zentralgewalt gegengesteuert. Daher findet sich auch heute in fast allen Überresten der römischen Munizipien Rennstrecken, Amphitheater und normale Theater. Dies verringerte den Bedarf von längeren Reisen für die Bevölkerung. Bildungsreisen blieben der finanziell unabhängigen Oberschicht vorbehalten, hier seien vor allem Bildungsreisen zu den klassischen griechischen Rhetorik- und Philosophieschulen erwähnt.

Handlungsreisende konnten in der Römerzeit auf das gut ausgebaute Straßennetz zurückgreifen, dass grundsätzlich ja für den militärischen Gebrauch gebaut wurde. In regelmäßigen Abständen gab es Raststationen und Lagerplätze. Sogar Straßenkarten (Tabula Peutingeriana), die die genaue Entfernung von den einzelnen Stationen anzeigten waren im Gebrauch. Natürlich nutzen diese Straßen in Folge dann auch privat Reisende. Eine weitere Möglichkeit zu Reisen in der Römerzeit war auch die Schiffsreise, sowohl übers Meer als auch über die wichtigsten Flüsse des Reichs. Mit Ende des Römerreiches wurde es für die Menschen immer schwieriger zu reisen. Auch in der Völkerwanderungszeit war es nur in offizieller Funktion wirklich möglich zu reisen. Obschon an sich die Züge der Volksgruppen und Stämme dieser Zeit auch Reisen waren, wohl aber eher Raubzüge und Migrationszüge von entwurzelten Personen.

Mit Beginn der Stabilisierung der Nachfolgereiche kommt auch das Reisen wieder vermehrt auf. Hier seien vor allem die Reisen im Zuge der christlichen Missionierung erwähnt, die teilweise im offiziellen Auftrag der diversen Zentralgewalten erfolgten.

Gerade durch diese Reisen und auch aus anderen religiösen Motiven entwickelt sich langsam eine immer größer werdende Wallfahrtsbewegung. Diese prägte sich einerseits regional als auch überregional aus. Regionale Wallfahrtsorte gibt es verteilt in ganz Mitteleuropa, internationale Orte, sind zum Beispiel Santiago, Rom und Jerusalem. Diese Bewegungen werden immer weiter verbreitet und flankiert von den kriegerischen Varianten davon, den Kreuzzügen.

Eine andere militärische Form des Reisens oder besser gesagt Handels sind die Züge der Nordmänner ab dem 7. Jahrhundert, „Reisende“ die man später als die Vikinger bezeichnete. Eine sehr spezielle Art des Reisens war der herrschaftliche Umritt eines Herrschers. Er „umritt“ seine Herrschaft um diese in Besitz zu nehmen.

Für das 10 Jahrhundert hat sich gerade für den österreichischem Raum eine wunderbare Quelle für den internationalen Handel erhalten. In der Raffelstettner Zollordnung wurde der Handel auf und an der Donau reglementiert. Es werden Zölle anhand von Warengruppen, Transportwegen, Absatzgebiet und ethnischer Zugehörigkeit der Händler festgelegt. Es ist ein profundes Zeugnis eines ausgeprägtem, regionalem und internationalem Handels auf den Flüssen im Frühmittelalter. Hauptsächlich handeln Baiern (Einheimische aus Sicht der Zollordnung), Slawen (Nachbarn) und Juden und sonstigen Händlern (überregional) mit Sklaven, Pferde, Salz und Wachs (die namentlich genannten Gütern) und anderem.

Im Mittelalter konnte man zu Fuß, auf einem Reittier, oder einem Reitwagen über Land reisen. Größere Warenkonglomerate wurden über die Flüsse transportiert. Grundsätzlich mussten Reisende sich selbst versorgen. Gerade bezüglich von Ausrüstung erfordert dies eine große Gabe der Improvisation. Reisemittel und Lebensmittel waren zwar Grundsätzlich an den Reisestationen oder in den einzelnen Städten zu erwerben, aber Garantien auf eine vollkommene Marktbedienung mit den Angeboten gab es nicht. Daher war es immer notwendig auf viele Situationen vorbereitet zu sein, und man benötigte gewisse handwerklichen Fähigkeiten und organisatorisches Talent um anständig Reisen zu können.

Neben anständig zu reisen, ist es auch wichtig sicher zu reisen. Einer der wichtigsten Unterschiede zu späterem Reisen ist es, dass man in die Fremde nicht allein reiste. Man sammelte sich zu Gruppen und kam so besser durch fremde und unbekannte Länder. Neben den Gefahren durch andere Menschen und Zentralgewalten spielte natürlich auch die Natur eine große Rolle beim Reisen. Die Flüsse waren unreguliert, die Straßen und Brücken alt und einfachst, wenn es sie überhaupt gab. Es gab in den Wälder, Bären und Wolfsrudel und auch so manches Wildschwein war eine Gefährdung für Reisende.

Am Ende des Mittelalters und am Beginn der Neuzeit beginnen vor allem die Handelshäuser und Handelsstädte hervorzustechen. Diese organisieren den Handel und ermöglichen dadurch vor allem auf See Reisen auf deren Handelsschiffen. Im Norden entsteht die Hanse in Italien steigen die großen Seehandelsstädte, wie Venedig, Genua und Pisa auf. Diese Städte und Häuser beginnen auch die ersten „Handelsreisenden“ auszubilden, wie Marco Polo und von staatlicher Seite unterstützt, dann die Entdecker der Neuzeit wie Columbus.